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Du bist schuld!

Manche Mütter wissen alles besser. So einer Mutter bin ich begegnet und war einfach nur entsetzt.

 

Vor einigen Tagen bin ich einer Mutter begegnet, deren Sohn früher mit meinem großen Sohn in derselben Klasse war. Wie das eben so ist, fragt man dann, wie es geht und unterhält sich über die Kinder. Mütter halt 😉

Zur Vorgeschichte muss man sagen, dass sich unsere Jungs damals eher nicht gut verstanden haben. Da hat einer den anderen geärgert und es ging häufig soweit, dass wir bei der Klassenlehrerin antanzen durften. Nichts desto trotz haben wir Mütter immer einen höflichen Umgang miteinander gewahrt und haben uns nie Vorwürfe gemacht, weil wir beide wussten, dass jeder Junge für sich so seine Schwierigkeiten hat.

Irgendwann wechselte der andere Junge dann die Klasse – nicht wegen meinem Großen – und das Thema hatte sich erledigt.

Nun ist es aber wie gesagt so, dass wir uns das erste Mal seit bestimmt einem Jahr wieder über den Weg liefen. Und prompt dachte ich, ich stehe im sprichwörtlichen Wald.

Es fing ganz harmlos an. Sie erzählte, wie stolz sie mittlerweile auf ihren Sohn sei. Er habe sich so gut gemacht. Man müsse das Kind einfach loslassen und rennen lassen. Dann regele sich alles von selbst.

Okay, ich bin auch dafür, dass Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen und selbstständig werden (Anmerkung: leider bin ich aber auch eine absolute Glucke und das klappt nicht immer so gut), aber dass sich dann alles von selbst regelt, halte ich für ein Gerücht.

Ich freue mich immer, wenn schwierige Zeiten bei anderen vorbei sind und sagte ihr das auch. Aber sie fing an, das Verhalten ihres Sohnes von früher absolut zu verharmlosen und jetzt sei alles top.

Nun gut, manche Dinge will man auch verdrängen. Dann ist das so. Der Hammer folgte nun aber auf dem Fuß, als sie fragte, wie es bei uns läuft.

Ich erzählte ihr, dass es viel besser als früher sei. Besonders seit wir die Schule gewechselt hatten und mein Großer jetzt die Hilfe und Unterstützung für seine Probleme bekommt, die er so dringend braucht. Auch dass er zwar immer noch Probleme hat, aber sich mittlerweile so gut im Griff hat, dass er sogar ziemlich gute Noten hat.

Und dann kam es. Sie lächelte mich an und meinte, es sei ja kein Wunder, dass er solche Probleme hätte. Ich horchte auf. Was kam jetzt?

Die nächsten Worte ließen mir beinahe die Kinnlade runterklappen. Bei einem Scheidungskind könnte man schließlich nichts anderes erwarten und ich müsste ihm mal klar die Meinung sagen, dass er sich so nicht verhalten könnte. Auch strenger müsste ich sein.

Mein Gemütszustand war in diesem Moment irgendwo zwischen Verwirrung, Unverständnis und Wut anzusiedeln.

Hatte diese Frau nicht gerade gesagt, dass man Kinder mal loslassen sollte, dann würde sich alles von allein regeln. Und jetzt sollte ich strenger sein?

Wie konnte man außerdem automatisch eine Trennung der Eltern für die Probleme des Kindes verantwortlich machen? Ich versuchte, ihr zu erklären, dass er diese Probleme schon als Kleinkind gehabt hätte und der Kleine solche Probleme nicht hätte.

Ein mitleidiges Lächeln und der Kommentar „Hör auf, dir was vorzumachen! Du bist selbst schuld, dass er so ist!“ folgte. Ich verfiel in eine Schockstarre. Was maßte sich diese Frau eigentlich an, mir so etwas zu sagen?!!

Mein einziger Gedanke war nur noch ‚Bloß weg von hier! ‘ Mir kam noch ein „Wenn du meinst. Ich muss los.“ über die Lippen und flüchtete in Richtung Auto.

Das ist jetzt eine Woche her und ich bin immer noch entsetzt und wütend. Es ist okay anderen Müttern auch mal Tipps zu geben. Die meisten von uns sind ja wirklich dankbar dafür, wenn sich neue Perspektiven ergeben. Aber da wusste eine Frau, die selber ein Problemkind hatte und die meinen Sohn nie richtig kennen gelernt hatte, es tatsächlich besser als ich, wie ich meinen Sohn zu erziehen hätte. Nicht nur das. Sie warf mir auch noch vor, ich sei Schuld an der Situation.

Sicher bin ich nicht die perfekte Mutter. Ich bin eine ziemlich große Glucke und nicht so konsequent, wie ich es sein sollte. Aber ich liebe meine Kinder und mache alles für sie. Seit der Große 2 Jahre alt war, war er bei Therapeuten, bei der Heilpädagogik, in sozialen Gruppen usw. Aber er ist nun mal ein Junge, der Schwierigkeiten mit der emotionalen Kontrolle hat und sich oft selbst im Weg steht.

Klar kommt obendrauf, dass er ein Dickkopf und an sich kein einfacher Charakter ist. Aber er macht Fortschritte. Meist kleine. Aber es geht vorwärts. Es ist für ihn ein langer und anstrengender Weg, der noch lange nicht zu Ende ist. Das alles damit abzutun, er sei ein Scheidungskind und würde sich mit Absicht so verhalten, finde ich so unfair ihm gegenüber.

Diese „Ich weiß es besser“-Mütter dürfen ihre unqualifizierten Kommentare gerne für sich behalten. Vielleicht sollten sie es da halten wie Dieter Nuhr:

Wenn man keine Ahnung hat:
einfach mal Fresse halten.

Ich bin stolz auf meinen Sohn und seine Entwicklung und das ist alles was zählt!

Kennst du auch solche Mütter, die alles besser wissen und auch vielleicht noch behaupten, du hättest sowieso Schuld an allem?

2 Kommentare

  1. Hallo Nicole, wer Dich kennt weiss, dass Du immer für Deine Kids da bist. Also lass Dich nicht ärgern und bleib so wie Du bistl lg Edith

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