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Gastbeitrag – Drei Geschichten von der KiTa-Eingewöhnung

Mit großer Freude darf ich dir heute den allerersten Gastbeitrag auf meinem Blog präsentieren. Eva ist ebenfalls Bloggerin und wir haben uns über unsere gemeinsame Leidenschaft für Bücher kennen gelernt.

In ihrem Beitrag geht es aber diesmal nicht um Bücher, sondern sie erzählt uns von der KiTa-Eingewöhnung ihrer Kinder.

Gastbeitrag - Zu Besuch bei Allround-Mom

KiTa-Eingewöhnung des Knopfes

Im letzten November wurde mein Leben um Einiges freier. Mein Jüngster kam in die KiTa. Der Knopf war damals fast Zwei. Eigentlich hätte er bereits ein Jahr vorher eingewöhnt werden sollen, damit ich mit meiner Dissertation vorankomme, aber wie so oft in Deutschland, gab es keinen Platz. Nun aber packte ich die Kindergartentasche, die bereits der Große (mittlerweile 8 und in der dritten Klasse) benutzt hatte und brachte Köpfchen und seine Schwester das erste Mal gemeinsam zur KiTa. Er durfte auch noch in die gleiche Gruppe wie sein großer Bruder.

Für mich also nichts Neues. Jacke aufhängen, Schuhe aus. „Guten Morgen.“ Dann setzte ich mich zu ihm an den winzigen Esstisch und schälte die Mandarine. Er futterte, lief los, spielte. Ich war abgeschrieben. Eigentlich gibt es für so Kleine keine Trennung von der Mutter vor dem dritten Tag. Die Kinder müssen die Einrichtung, die Kinder, die Erzieher(inne) ja erst kennen lernen. Knöpfchen aber kannte die KiTa ja längst vom täglichen Hinbringen und Abholen der Nudel. Und er kannte die Gruppe. Mutig lief er in den Nebenraum und ich schnappte mir mein Buch, um im Flur zu lesen. Am zweiten Tag setzte ich mich direkt raus. Am dritten Tag fuhr ich nach Hause. Tränen gab es trotzdem. Als ich ihn abholte. Er wollte einfach noch dortbleiben.

So ging das die ersten Wochen. Egal, wer ihn brachte, er drehte sich um und tigerte los. Egal, wer ihn abholte, er freute sich riesig, dass wir da waren und heulte, wenn er mit uns gehen sollte. Zu aufregend war es in der KiTa, zu viel Spaß hatte er. Bis er krank wurde. Ein grippaler Infekt und eine Woche zu Hause.

Danach war alles anders. Verschämter Blick beim Bringen. Tränen, wenn wir gingen, keine Probleme mehr beim Abholen. Ich überlegte schon, die Eingewöhnung einfach noch einmal zu wiederholen. Denn im Prinzip hatte er ja keine gehabt. Doch jeden Tag ging es dann etwas besser. Weil ich immer erst ihn in seiner Gruppe abliefere und dann die Große, kann ich beim Rausgehen sehen, wie es ihm geht. Und innerhalb von wenigen Minuten gab es weder noch Tränen oder Schmolllippen. Also wartete ich ab. Mittlerweile ist wieder alles in Ordnung. Die Weihnachtsferien sind vorbei und er freut sich auf die KiTa, freut sich, wenn wir ihn holen.

Drei Geschichten von der KiTa-Eingewöhnung von Eva-Maria Obermann

KiTa-Eingewöhnung der Nudel

Tatsächlich kenne ich das schon. Auch die Nudel hat es ähnlich gemacht. Sie wurde mit Eins eingewöhnt und sich ähnlich schnell in der KiTa zurechtgefunden. Aus vergleichbaren Gründen, denn damals ging auch Keule noch in sein letztes KiTa-Jahr. Sie kannte sich dort also auch schon aus. Und auch mein Nudelchen hat es sich dann plötzlich noch einmal anders überlegt. Sogar zweimal. Sie wurde im März eingewöhnt und nach den Osterferien fand sie die KiTa plötzlich nicht mehr so toll. Das legte sich schnell wieder.

Richtig schlimm wurde es dagegen im Winter, als ihr kleiner Bruder auf die Welt kam. Bzw. als ich nach dem Mutterschutz wieder zur Uni fuhr – mit Baby. Aber auch diese Tränen waren nach Minuten vergessen und ich habe ihr als Ausgleich Mama-Zeit freigeschaufelt. Außerdem geht sie von Beginn an nur 4 Tage die Woche in die KiTa. Mittwochs ist sie zu Hause. Und mittlerweile hat auch der Knopf mittwochs seinen „freien Tag“. Aber auch nur, weil ich die Möglichkeit dazu habe und das Gefühl, dass dieser Tag den beiden noch guttut. Die Nudel wird dieses Jahr vier und spätestens nach den Sommerferien wird sie Vorschulprogramm haben. Dann muss ich meinen Wochenplan wahrscheinlich überdenken.

KiTa-Eingewöhnung der Keule

Den „freien Tag“ konnte ich dem Großen nicht zugestehen. Die Keule kam notgedrungen mit 2 ½ in eine KiTa und doch irgendwie nie an. Als wir nach einem halben Jahr die Einrichtung wechselten, hatte er „Angst vor den vielen Kindern“. Das offene Prinzip hatte ihm schlicht nicht gutgetan. Er brauchte die Grenzen einer festen Gruppe. Ihm fiel die Trennung wesentlich schwerer. Sehr lange sogar. Vielleicht, weil er der erste war und andere Kinder einfach nicht gewöhnt war.

Im direkten Vergleich muss ich aber sagen: Der Große hat es einfach nicht so mit sozialen Interaktionen. Er ist einfach eher introvertiert, zurückhaltend, steht ungern im Rampenlicht und hat keine Ellenbogen. Darum glaube ich auch, dass ein „freier Tag“ ihm nicht gutgetan hätte. Es hätte ihn noch verschlossene und die Trennung an den anderen Tagen noch schlimmer für ihn gemacht. Doch die Arbeit mit ihm hat sich gelohnt. An Weihnachten hat der Hauptrolle im Krippenspiel gemeistert und war stolz wie Bolle. Sein Weg war, obwohl er am spätesten eingewöhnt wurde, der steinigste.

Drei Geschichten von der KiTa-Eingewöhnung von Eva-Maria Obermann

Die ewige Diskussion um die KiTa

Die Diskussion, wann ein Kind in die KiTa sollte, ist ungebrochen. Rainer Stadler hat in „Vater, Mutter, Staat“ angeprangert, dass Ganztagesbetreuung die Familie zerreißen und die Kinder überfordern würde. Alina Bronsky und Denise Wilk haben ähnliches in „Die Abschaffung der Mutter“ behauptet. Ich sehe beide Bücher sehr kritisch. Wir beispielsweise haben eine starke Familienstruktur. Natürlich können wir nicht alle Einflüsse von außen abschirmen, aber wir schaffen uns, gerade weil wir durch die Betreuung Zeit für unsere Arbeit haben, Familienzeit daneben. Und auch wenn unsere Erziehung an erster Stelle steht (jedenfalls noch), lernen unsere Kinder Vielfalt kennen. Ich glaube, das macht sie zu weltoffeneren und toleranteren Menschen.

Vor allem haben sie viel Spaß, finden Freunde und lernen unglaublich viel. Natürlich könnte ich ohne die KiTa mit drei Kindern nicht promovieren. Ich hätte wahrscheinlich noch nicht mal einen Studienabschluss, weil ich immer mit Kind studiert habe. Ich brauche also schlicht die KiTa, um arbeiten zu können. Doch auch, wenn sich mein Mann über das Mädchen aufregt, das unserer Tochter dumme Sprüche beibringt und mein Sohn tagsüber mit einer anderen Frau kuschelt, glaube ich nicht, dass es ihnen schadet. Im Gegenteil.

 

Ein großes Danke an Nicole, dass sie mir die Möglichkeit gibt, hier ein bisschen Mama-Bloggerin zu spielen. Ich bin gespannt auf dich! Mehr zu mir findest du auf buchblog.schreibtrieb.com und schreibtrieb.com.

Eva wird 2017 30 Jahre jung und hat 3 Kinder. Keule ist 8, die Nudel 3 und der kleine Knopf frisch 2. Ihr Mann ist Lehrer und sie promoviert in der Literaturwissenschaft über die Mutterfigur in der Gegenwartsliteratur.

Vielen Dank Eva für diesen wunderbaren Gastbeitrag zur KiTa-Eingewöhnung!

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