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Mein Kleiner ist bald ein Schulkind

Unsicherheit, Frustration, aber auch Freude haben uns bei der Antragsschulung begleitet. Nun steht aber fest: Mein Kleiner ist bald ein Schulkind.

Die Entscheidung ist gefallen. Seit vier Wochen wissen wir es jetzt. Der Kleine ist nach den Sommerferien ein Schulkind.

Letztes Jahr im November hatte ich dir ja bereits in einem Beitrag erzählt, wie es zu der Entscheidung kam, ihn als Kann-Kind einzuschulen. Und seitdem hat sich einiges getan.

Der erste Aufreger kam noch vor Weihnachten im Dezember. Wir sollten nämlich zwei Wochen vor Weihnachten zum Gesundheitsamt. Termin bei der Amtsärztin. Ich hab echt gedacht, ich bin im falschen Film. Die „normalen“ Schulkinder werden rund um Ostern beurteilt und ein Kind, das sowieso ein Jahr früher in die Schule soll, wird noch früher (wohlgemerkt ganze 4 Monate!) beurteilt??! Da frage ich mich ernsthaft, wie die Damen und Herren da beurteilen wollen, ob er schulfähig ist. Immerhin ist die Einschulung erst Ende August 2017. Also 8 Monate später.

Nun gut. Die Herrschaften machen das beruflich, werden also wissen, wie sie das zu bewerten haben. Dachte ich zumindest.

Nach einer für mich sehr frustrierenden Zeit voller Unsicherheit steht jetzt fest: "Mein Kleiner ist bald ein Schulkind".

Zuerst durfte der Kleine einer Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes zeigen, wie gut er malen konnte. Das lief so halbwegs gut, obwohl er so aufgeregt war. Er freute sich schon so sehr auf die Schule und war deswegen ganz kribbelig.

Die Ernüchterung kam dann anschließend. Zur weiteren Testung kamen wir dann zur Amtsärztin. Und die sagte mir direkt im zweiten Satz, dass sie so überhaupt nichts von Antragseinschulungen hielt. Erst recht nicht bei Jungs. Da war dann auch wieder mein mulmiges Gefühl.

Die nächsten Übungen, bei denen er Mengen einschätzen sollte, waren für ihn normalerweise kein Problem. Jetzt aber schon, denn sie legte ihm den Zettel hin und sagte „Kreuz an, wo es mehr ist.“ Dann wandte sie sich mir zu und stellte mir Fragen. Mein Kind saß völlig verwirrt neben mir und wusste gar nicht, was er tun sollte.

Als ich ihm kurz erklären wollte, was er genau machen sollte, wurde ich von der Amtsärztin angefahren, ich solle das unterlassen. Er müsse das schon alleine schaffen.

BÄM! Ging es noch? Ich wollte ihm ja keine Lösungen verraten! Wenigstens hatte sie dann doch noch die große Güte ihm die Übung noch etwas genauer zu erklären.

Das restliche Gespräch zwischen uns war recht merkwürdig. Sie stellte mir Fragen, die man nicht so einfach mit einem Satz beantworten konnte. Zum Beispiel weswegen der Kleine früher in die Schule soll. Ich hatte meinen zweiten Satz noch nicht beendet, da unterbrach sie mich und erklärte, sie hätte ja jetzt hier nicht den ganzen Tag Zeit. Schließlich hatten sie noch mehr Kinder heute zu beurteilen. Ich war total vor den Kopf gestoßen und sprachlos.

Als nächstes war noch die körperliche Untersuchung an der Reihe. Die lief super. Auf einem Bein hüpfen und solche Dinge konnte er schon immer gut und die körperliche Betätigung sorgte etwas für den Abbau seiner Aufregung.

Das wars dann eigentlich. Naja fast. Als uns die Amtsärztin verabschiedete, sagte sie uns, dass sie einer früheren Einschulung nicht zustimmen würde. Ich glaube, mir klappte echt die Kinnlade nach unten.

„Ihr Sohn ist noch so unruhig und scheint noch so sehr an Ihnen zu hängen, da kann ich das nicht befürworten. Er ist sozial-emotional nicht soweit.“

Ich war total vor den Kopf gestoßen. Wie ferngesteuert, verabschiedete ich mich, schnappte mir mein Kind und fuhr ihn in den Kindergarten.

"Mein Kleiner ist bald ein Schulkind" und ich bin wahnsinnig stolz auf ihn. Auch wenn der Weg dahin nicht einfach war.

Im Kindergarten musste ich meinen Frust und meine Unsicherheit erst mal loswerden. Ich verstand die Welt nicht mehr. In mir machten sich ernsthafte Zweifel breit, obwohl mir mein Bauchgefühl was Anderes sagte.

Die Kindergärtnerinnen beruhigten mich. Schließlich verhielt er sich im Kindergarten sozial-emotional gesehen, wie die anderen Kindern, die in die Schule kommen sollten. Das würde die Schulleiterin sicher auch so sehen.

Meine Unsicherheit war trotzdem noch da.

Hast du dein Kind falsch eingeschätzt?

Überforderst du ihn?

Willst du zu viel?

Am Ende war ich so kirre im Kopf, dass ich sogar in der Schule anrief. Die Dame im Sekretariat hatte sofort ein offenes Ohr für mich und beruhigte mich ebenfalls. Sie würden diese Problematik kennen. Und genau deswegen würde sich die Schulleiterin meinen Sohn auch erst nach Ostern ansehen. Er sollte sich noch entwickeln können. Außerdem wäre das näher an der Einschulung und man würde eher sehen, ob er schulreif sei. Sie würde sich ihr eigenes Bild machen.

Gott, fiel mir ein Stein vom Herzen. Das war ja schon eine ganz andere Aussage.

Vor 4 Wochen war die Schulleiterin dann im Kindergarten. Sie wollte ihn in seiner normalen Umgebung sehen. An diesem Tag war Schulprojekt für die angehenden Schulkinder. Und was soll ich sagen? Sie war begeistert von ihm. Er könne so schön ruhig dasitzen, zuhören, sich klar artikulieren und auch schon komplexe Zusammenhänge erklären. Sie sieht überhaupt keinen Grund, dass er nicht eingeschult werden soll.

Also steht es jetzt fest:

Mein Kleiner ist bald ein Schulkind.

Ich weiß, dass dieses Thema sehr kontrovers gesehen wird. Viele halten es für vollkommen falsch – so wie unsere Amtsärztin –, Kinder früher in die Schule zu schicken. Und es darf jeder seine eigene Meinung zu diesem Thema haben. Aber jedes Kind ist anders und sollte individuell beurteilt werden. Der Kinderarzt findet das okay, die Erzieherinnen erachten es für notwendig, mein Bauchgefühl sagt es mir, die Schulleiterin ist begeistert von ihm. Und das wichtigste: Er möchte in die Schule. Also spricht für mich nichts dagegen. Wie alle Eltern möchte ich nur das Beste für meinen Sohn.

Hast du schon einmal das Gefühl gehabt, dass jemand dein Kind vollkommen falsch einschätzt?

Ein Kommentar

  1. Hi, ich habe auch ein Kann-Kind und die Bestätigung das er in die Schule darf. Ich denke auch wie du es kommt auf das Kind an und wenn er in die Schule will und auch keine individuellen Gründe dagegen sprechen sollte man es einfach versuchen! Wenn es wirklich zu früh wäre kann er ja irgendwann eine Klasse wiederholen. Das ist doch heutzutag auch kein großes Thema mehr !
    Schlimmer ist es doch wenn er sich im Kindergarten oder dann auch noch in der Schule unterfordert fühlt und langweilt! Es gibt doch genug Beispiele dafür, dass es dann wirklich schlecht für die Kinder und Ihre schulische Entwicklung wird.
    Gott sei Dank hatten wir am Gesundheitsamt überhaupt keine Probleme ! Die waren super nett ! Könnte natürlich auch daran gelegen haben das da eine Praktikumsärztin anwesend war die auch den Test mit meinem Sohn gemacht hat, während sich die aktuelle Amtsärztin mit mir unterhalten hat! Für mich liegt da auch die Erklärung. Ich will jetzt bei keinem Pädagogen Kenntnisse anzweifeln aber irgendwie kommt es meiner Meinung nach auch immer auf die aktuelle Situation an ! Sind genügend aktuelle Schüler da, hat die KIGA genug Nachrücker ? Hat die Amtsärztin in Ihrem privaten Umfeld gerade ein Kind bei dem es besser gewesen wäre es wäre später zur Schule gegangen etc. !
    Vertrau doch bitte auf dein Bauchgefühl und auch auf die Wünsche deines Sohnes ! Wenn er in die Schule will hat es doch sicher auch mit Freunden zu tun die schulreif sind oder damit das er niemals wirklich gerne in den Kindergarten gegangen ist etc. keine Ahnung !!?!? Du würdest doch vielleicht auch manche Entscheidung mehr den Argumenten deiner aktuellen Freunde anlehnen als einer Amtsärtzin die du nicht wirklich kennst !
    Ich denke das wir Eltern uns machmal vielleicht einfach zu viele Gedanken machen !
    Wichtig ist nur das wir zu unseren Kindern stehen und auch Fehlentscheidungen nicht zur großen Sache machen sondern neue Lösungsversuche unternehmen ! Nobody is perfect und alles wird gut !
    Ich wünsche euch Viel Glück !

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